Eine Liebe, die alle verbindet

01.11.2026

Wenn Menschen aus verschiedenen Gemeinden zusammenkommen, gemeinsam beten, zuhören und singen, wird Gemeinschaft nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar. Dies zeigte sich am Samstag, den 24. Oktober 2026, in Thun auf eindrückliche Weise. Nahezu alle Gemeinden des Bezirks waren eingeladen, am Gottesdienst teilzunehmen.

Evangelist Daniel Schultheiss leitete den Gottesdienst und stellte die Liebe Gottes in den Mittelpunkt seiner Predigt. Schon die grosse Beteiligung verlieh dem Anlass einen besonderen Charakter. Menschen aus zahlreichen Gemeinden kamen in Thun zusammen und erlebten, dass sie trotz unterschiedlicher Herkunftsorte im Glauben miteinander verbunden sind. Besonders deutlich wurde diese Gemeinschaft im Chor. Durch die Mitwirkung der verschiedenen Gemeinden war er gut besetzt. Viele einzelne Stimmen verbanden sich zu einem gemeinsamen Klang und gaben dem Gottesdienst einen feierlichen musikalischen Rahmen.

Als Grundlage für den Gottesdienst diente das bekannte Wort aus Johannes 3,16: «So sehr hat Gott die Welt geliebt.» Bereits dieser erste Satzteil enthalte eine umfassende Zusage, erklärte der Evangelist. Gottes Liebe richte sich nicht nur an eine bestimmte Gruppe oder an Menschen, die scheinbar alles richtig machten. Sie gelte der ganzen Welt und damit jedem einzelnen Menschen. «Gottes Liebe gilt nicht nur einer bestimmten Gruppe. Sie gilt allen Menschen. Niemand ist davon ausgeschlossen», betonte Schultheiss. Diese Liebe müsse nicht zuerst verdient werden. Sie sei ein Geschenk Gottes und dürfe von jedem Menschen angenommen werden.

Johannes 3,16 spreche jedoch nicht nur von einem schönen Gedanken oder einem tröstlichen Gefühl. Das Bibelwort zeige vielmehr, dass Gottes Liebe zu einer konkreten Tat geführt habe. Gott habe seinen Sohn in die Welt gesandt, damit die Menschen durch den Glauben Hoffnung und ewiges Leben erhalten könnten. «Wahre Liebe bleibt nicht bei Worten stehen. Sie zeigt sich darin, dass man bereit ist, sich hinzugeben und für andere da zu sein», sagte Schultheiss. In Jesus Christus werde diese Liebe Gottes für die Menschen sichtbar und erfahrbar. Christus sei ihnen nahe, begleite sie auf ihrem Lebensweg und lasse sie auch in schwierigen Zeiten nicht allein.

Die Gläubigen dürften darauf vertrauen, dass Gott ihre persönliche Situation kenne. Er wisse um ihre Freude und Dankbarkeit, aber ebenso um ihre Sorgen, Zweifel und Belastungen. Seine Liebe sei nicht davon abhängig, ob im Leben gerade alles gelinge. «Gott kennt jeden Einzelnen. Er weiss, was uns beschäftigt, was uns Freude bereitet und was uns belastet. Seine Liebe bleibt bestehen.» Damit verband der Dienstleiter eine persönliche Frage: «Was bedeutet Gottes Liebe für mein eigenes Leben?» Es genüge nicht, lediglich von dieser Liebe zu wissen oder den Bibelvers auswendig wiedergeben zu können. Jeder Mensch sei eingeladen, die Zusage Gottes persönlich anzunehmen und aus ihr Kraft und Zuversicht zu schöpfen.

Gleichzeitig habe diese Liebe auch Auswirkungen auf das tägliche Leben, führte Schultheiss weiter aus. Wer sich von Gott geliebt wisse, sei aufgerufen, diese Liebe an andere Menschen weiterzugeben. Der Glaube zeige sich deshalb nicht nur im Gottesdienst, sondern ebenso im Umgang mit der Familie, mit Glaubensgeschwistern und mit allen Menschen, denen man im Alltag begegne.

«Wir sind eingeladen, Gottes Liebe anzunehmen und sie im Alltag weiterzugeben», sagte der Dienstleiter. Häufig seien es keine aussergewöhnlichen Taten, durch die Liebe sichtbar werde. Vielmehr zeige sie sich in der Aufmerksamkeit für andere, in Geduld und Verständnis, in einem tröstenden Wort oder in der Bereitschaft, einem Menschen zuzuhören. «Oft sind es nicht die grossen Taten, die zählen. Manchmal genügt ein gutes Wort, eine helfende Hand oder die Bereitschaft, für einen Menschen da zu sein.» Gerade solche kleinen Zeichen könnten einem anderen Menschen neuen Mut schenken und ihn spüren lassen, dass er nicht allein sei.

Für die anwesenden Amtsträger erhielt dieser Gedanke eine besondere Bedeutung. Ihr Dienst in der Gemeinde solle nicht vom Wunsch nach Anerkennung geprägt sein. Vielmehr gehe es darum, Verantwortung zu übernehmen, den Mitmenschen zu dienen und ihnen mit einem offenen Herzen zu begegnen. Dabei müsse niemand allein auf seine eigenen Fähigkeiten vertrauen. Gott schenke die nötige Kraft und begleite jene, die sich in seinen Dienst stellten. «Wir müssen unseren Auftrag nicht aus eigener Kraft erfüllen», hielt der Evangelist fest. «Gott schenkt uns die Hilfe, die wir benötigen. Entscheidend ist, dass wir ihm vertrauen und unseren Dienst mit einem offenen Herzen tun.»

Die Botschaft der Predigt wurde durch die musikalischen Beiträge des Chores aufgenommen und vertieft. Im Rahmen der Vorbereitung zur Busse sang dieser unter anderem das Lied «Kennst du den Freund?». Der Gottesdienst in Thun zeigte damit, dass christliche Gemeinschaft weit mehr ist als das Zusammenkommen an einem bestimmten Ort. Sie entsteht dort, wo Menschen miteinander glauben, füreinander da sind und die empfangene Liebe Gottes weitergeben. Die vielen Teilnehmenden, der grosse Chor und die Botschaft aus Johannes 3,16 verbanden sich zu einem eindrücklichen Ganzen: Gottes Liebe schliesst niemanden aus – und sie kann Menschen über alle Gemeindegrenzen hinweg miteinander verbinden.

 

Bericht: gw
Fotos: zVg
Bearbeitung: Brigitte Landmesser