Dem Taufgottesdienst lag das Bibelwort aus Jesaja 53.4 zugrunde: "Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre."
Dass dieses vor rund 2'700 Jahren geprägte Wort keinesfalls "Schnee von gestern" ist, zeigten der Bezirksvorsteher Oliver Blindenbacher und Priester Werner Jöhr in ihrem Dienen auf.
Zur Zeit des Propheten Jesaja galten Armut und Krankheit als Strafe Gottes für ein Verhalten, das Gott nicht gefiel. Reichtum und Wohlergehen hingegen wurden als Lohn für eine Gott gefällige Lebensführung verstanden. Das Beispiel des Propheten, dass jemand leiden musste, ohne etwas falsch gemacht zu haben, war damals nur schwer vorstellbar. Mit dem Leben Jesu hat sich das Wort des Propheten erfüllt: Jesus ging schuldlos über diese Erde und wurde trotzdem hingerichtet. Er hat nicht nur körperlich gelitten, sondern auch darunter, dass viele Menschen sein Wirken nicht angenommen haben.
Wir dürfen dieses Wort bis heute als Indiz verstehen, wie Gott wirkt: die "mittelalterliche" Vorstellung, als Christ müsse man leiden, um das Heil zu erlangen, ist falsch! Es geht vielmehr darum, dass wir mit Christi leiden, zum Beispiel
- indem wir darunter leiden, dass das Evangelium nur wenig Anklang findet, alles andere als Mainstream ist.
- indem uns die Unvollkommenheit der kirchlichen Institutionen schmerzt.
- indem unsere Erwartungshaltungen zu Gottes Handeln enttäuscht werden.
An die Tauffamilie gerichtet, betonte der Bezirksvorsteher, dass dieses Verständnis des Leidens Teil der christlichen Erziehung sei. Je mehr wir unsere Erwartungen in Gottes Hand legen und seiner grenzenlosen Liebe vertrauen, desto besser gelingt es uns, mit den Leiden des Alltags umzugehen und Gott zu erleben. Das dürfen wir unseren Kindern weitergeben.
Priester Werner Jöhr forderte uns in seinem Predigtbeitrag auf, das heutige Wort als Weckruf anzunehmen. Er erinnerte an die Jünger, die kurz vor Jesu Hinrichtung - als das Leiden am grössten war - eingeschlafen sind, anstatt zu wachen. Schlummern wir manchmal auch? Lasst uns wach sein und ankämpfen gegen Lieblosigkeit und lasst uns unser geistiges Immunsystem stärken!
In der Ansprache zur Taufhandlung betonte der Beziksvorsteher, dass das stellvertretend durch die Eltern ausgesprochene "Ja" nicht nur bedeutet, die Verantwortung für die Vermittlung und das vorbildliche Leben des Glaubens zu haben, sondern auch die Zusage Gottes beinhaltet, dass er uns in allen Lebenslagen beisteht. Er empfahl den Eltern, Leiden und Enttäuschungen vor den Kindern nicht zu verbergen, sondern einen vorbildlichen Umgang damit zu pflegen. Über allem steht dabei, dass kein Leiden und keine Enttäuschung je ein Grund sein soll, die Liebe Gottes in Frage zu stellen.
Der Gottesdienst wurde umrahmt von Musikbeiträgen der Organistin, des Chors und des Kinderchors. Die ganze Gemeinde stimmte mit ein beim bekannten Abschlusslied "Der Herr ist mein Licht".
Am Ende des Gottesdienstes bedankte sich der Bezirksvorsteher bei allen, die zum Gelingen dieses Festtags beigetragen haben.
Wir wünschen Freya und ihren Eltern von ganzem Herzen alles Gute auf ihrem Glaubens- und Lebensweg.
Bericht: Thomas Kunz
Fotos: Leonnie Hänni
Bearbeitung: Isabelle Landmesser