Gesprächskreis über Mut, Glauben und Begegnung

12.05.2026

Knapp 30 Gemeindemitglieder trafen sich in der Neuapostolischen Kirche Thun zum ersten Gesprächskreis des Jahres. Im Mittelpunkt stand die biblische Geschichte der Samariterin am Jakobsbrunnen aus Johannes 4 – und die Frage, was diese Begegnung mit dem Jahresmotto «Fürchte dich nicht, glaube nur.» zu tun hat

Als Einstieg wurde der Bibeltext vorgelesen. Darin begegnet Jesus einer samaritischen Frau an einem Brunnen. Auffällig ist: Die Frau kommt allein und zur Mittagszeit zum Wasserschöpfen. Für die damalige Zeit war das ungewöhnlich. Normalerweise gingen Frauen früh am Morgen gemeinsam zum Brunnen, schöpften Wasser und pflegten auf dem Rückweg auch die Gemeinschaft untereinander. Dass diese Frau allein unterwegs ist, lässt erahnen, dass sie am Rand der Dorfgemeinschaft stand oder sich selbst zurückgezogen hatte.

Jesus begegnet ihr dennoch offen und ohne Vorbehalt. Er bittet sie um Wasser – eine einfache, menschliche Bitte. Damit beginnt ein Gespräch, das für die Frau alles verändert. Obwohl Jesus ihre Lebensgeschichte kennt, verurteilt er sie nicht. Im Gegenteil: Er spricht mit ihr auf Augenhöhe und lenkt ihren Blick auf das, was Gott schenken will: «lebendiges Wasser». Gemeint ist nicht gewöhnliches Wasser, sondern das neue Leben, das aus dem Glauben an Christus erwächst.

Besonders eindrücklich ist, wie sich die Frau im Verlauf der Begegnung verändert. Zunächst reagiert sie irritiert und versteht die Worte Jesu wörtlich. Doch als Jesus ihr zeigt, dass er ihr Leben kennt, erkennt sie in ihm mehr als einen gewöhnlichen Menschen. Schliesslich gibt Jesus sich ihr als Messias zu erkennen. Die Frau, die zuvor allein zum Brunnen gekommen war, eilt danach zurück ins Dorf und erzählt den Menschen von ihrer Begegnung. Aus Scham und Rückzug werden Mut und Bekenntnis.

Nach dem Lesen verteilten sich die Anwesenden auf vier Gruppen. Dort wurden verschiedene Aspekte der Geschichte besprochen. Besonders im Fokus stand die Frage, was die Erzählung mit dem Jahresmotto «Fürchte dich nicht, glaube nur.» verbindet. Dabei wurde deutlich: Die Samariterin konnte mutig werden, weil sie sich von Jesus nicht verurteilt, sondern angenommen wusste. Diese Erfahrung gab ihr die Kraft, vor anderen Menschen von ihrer Begegnung zu erzählen.

In der anschliessenden Zusammenfassung hielten die Gruppensprecher mehrere Gedanken fest. Bekennermut sei wichtig, aber nicht immer selbstverständlich. Gerade im heutigen Alltag brauche es Mut, offen zum Glauben zu stehen. Gleichzeitig wurde daran erinnert, dass Christinnen und Christen in anderen Teilen der Welt unter ganz anderen Bedingungen leben und ihr Bekenntnis mitunter grosse persönliche Risiken mit sich bringt. Umso bewusster könne man die eigene Freiheit wahrnehmen und nutzen.

Ein weiterer Gedanke war, dass Bekenntnis nicht immer in grossen Worten geschehen muss. Manchmal zeige es sich auch darin, den eigenen Weg treu weiterzugehen, andere am eigenen Leben teilhaben zu lassen und im Alltag glaubwürdig zu handeln. Die Geschichte der Samariterin mache Mut, weil Jesus nicht zuerst auf Schuld und Versagen schaue, sondern auf den Menschen und seine Möglichkeit zu einem neuen Anfang.

So wurde der erste Gesprächskreis des Jahres zu einer intensiven Auseinandersetzung mit einer bekannten biblischen Geschichte. Am Ende stand die Erkenntnis: Wer sich von Gott angenommen weiss, muss sich nicht von Angst, Scham oder Ablehnung bestimmen lassen. Die Begegnung Jesu mit der Samariterin zeigt, dass aus einem belasteten Leben ein neues Zeugnis werden kann – und dass der Schritt zum Glauben oft dort beginnt, wo ein Mensch erfährt: Ich werde gesehen, aber nicht verurteilt.

 

Bericht/Foto: gw
Bearbeitung: Brigitte Landmesser